G. Staudinger: . . . es ist erstaunlich, wie sich Davidoff trotz der strengen EU-Regularien zu Tabak auf Sportveranstaltungen immer noch in diesem Umfeld bewegen kann. Es soll sogar eine Lounge in der Allianzarena geben, schon erstaunlich wie das der Reto (Anm.: Reto Cina, Vorstands- vorsitzender Davidoff) immer hinkriegt.
FWZ: Die Fussball-WM 2010 steht vor der Tür, gibt es wieder ein soziales Projekt, wie die „streetkids 2006“, das Sie unterstützen?
M. Staudinger: Die meisten Leute wissen nicht, was das an Zeit kostet und da steht derzeit meine zweijährige Tochter an erster Stelle. Aber natürlich liegt mir nach wir vor das „Peres Center for Peace“ am Herzen. Die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinenser ist ein Schlüssel für zahlreiche weltweite Konflikte. Wir haben vor fünf Jahren in der Münchner Allianz Arena ein Spiel einer Bayern München Nachwuchself gegen ein gemischtes israelisch-palästinensisches Juniorteam vor 50.000 Zuschauern mit organisiert. So etwas könnte ich mir auch für Salzburg, Wien, Zürich oder Bern vorstellen. Aber anstatt eines Nachwuchsteams mit richtigen Weltstars. Das wäre noch einmal ein Ziel.
FWZ: Soziales Engagement wurde in letzter Zeit zu einer Modeerscheinung - wer „in“ sein will, muss auf Charitys präsent sein?!
G. Staudinger: Furchtbar - und zum Teil mit pseudo-sozialen Veranstaltungen: Ein Großteil der Erlöse wird in die First Class Flüge der eingeladenen Prominenz gesteckt. Ich glaube mein Bruder hat da eine besonders negative Erfahrung gemacht, oder?
M. Staudinger: Meinst Du das „Power Child“-Projekt von Veronica Ferres? Ich glaube es war das großformatige Blatt aus Hamburg, das schrieb, über 50 Prozent der Gelder dieser Spendengala wären in der Administration “ver- schwunden“. Ja, ja, wir haben da bei einer Versteigerung 17.000,- Euro für ein Treffen in Paris mit John Malkovich bezahlt. Ich wollte die Chance nützen und den Hollywoodstar als Botschafter für das „Peres Center for Peace“ gewinnen. Und obwohl wir natürlich die gesamte Summe noch am gleichen Abend bezahlt haben, kenne ich John Malkovich bis heute nicht. Ich habe dann diesen Preis zurückgegeben mit der Auflage, dass die nächste Person, die das ersteigert, Herrn Malkovich auch wirklich trifft.
FWZ: Und hat das wenigstens geklappt?
M. Staudinger: Keine Ahnung. Der ganze Vorgang hat dem Hintermann und damaligen Ferres-Ehegatten Martin Krug nicht gepasst.
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Solche Leute sind entweder nicht kritikresistent oder haben die Bild-Headline „Wir sind Papst“ zu wörtlich genommen. Wir wurden zu Powerchild-Galas nicht mehr eingeladen. Aber ich wäre da wahrscheinlich auch nie mehr hingegangen. . .
G. Staudinger: Entweder bezahlt man soziales Engagement aus der eigenen Tasche oder man soll es bleiben lassen. Mitunter lässt sich nicht vermeiden, dass man mit diesen Aktivitäten auch in der Yellow Press landet, aber das sollte nun wirklich nicht der Antrieb sein.
„Wenn wir immer der gleichen Meinung wären,
wäre einer überflüssig.“
M. Staudinger: Es gibt eine Art von Entlohnung, die in keiner Klatschspalte steht. Als wir Kinder aus Ruanda in ein Laureus-Camp eingeladen haben, kam der Anruf aus dem Entwicklungs- hilfeministerium: Danke für die Flugtickets, jetzt brauchen wir nur noch Schuhe für die Kids. Da geht einem das Herz auf. Sie müssen wissen, dass durch den Bürgerkrieg über 60 Prozent Halb- oder Vollwaise sind. Selbst- verständlich haben wir auch noch das Schuhwerk organisiert. Aber zu sehen, wie Kinder verfeindeter Volksgruppen, deren Eltern sich noch gegenseitig gemeuchelt haben, gemeinsam bei einem Sportfest an einem Strang ziehen, gibt einem mehr als jedes öffentliche Lob.
FWZ: Sie wollen uns aber nicht erzählen, dass Sie keine Vorteile aus Ihren sozialen Aktivitäten gezogen haben. Ihnen werden doch auch neue Geschäftskontakte dadurch auf dem Silbertablett präsentiert.
G. Staudinger (lacht): Wer sind wir denn? Auf jeden Fall viel zu klein. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Ferdinand Piech, den mein Bruder bei Sitzungen des „Peres Center for Peace“ getroffen hat, mit solchen Kontakten etwas anfangen kann. Aber wir?
M. Staudinger: Genau, es ist sicher für einen kleinen Mittelständler wie mich eine große Sache, wenn ich Bill Clinton die Hand schütteln und smalltalken darf. Ich geb es zu: Ein geiles Gefühl. Oder ein einmaliges Erlebnis, dass Frederik de Klerk (Anm.: Friedensnobel- preisträger und ehemaliger Premier- minister Südafrikas) in der Hotelbar mit mir Strategien zu Friedensprozessen diskutiert. Aber ich kann mit hundertprozentiger Gewissheit sagen noch nie einen Cent mit solchen Kontakten verdient zu haben. Freundschaften, ja, die gibt es. Ron Pundak, der eigentliche Architekt des Oslo-Vertrages für den es den Friedensnobelpreis gab, wurde zu einem Freund.
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Aber auch das sind Persönlichkeiten, die sich nicht nach vorne drängen.
G. Staudinger: Mir fällt da Franz „Bulle“ Roth ein. Ohne ihn hätte Bayern München einen Stern weniger auf der Brust. Der Bulle hat sich nie in den Vordergrund gedrängt, aber wenn du ihn brauchst, ist er da. Solche Menschen werden dann, auch wenn man sich viel zu wenig trifft, zu Freunden.
M. Staudinger: Mir ist egal, ob man uns glaubt, dass soziale Projekte eine Herzensangelegenheit sind und nichts mit Geschäften zu tun haben, oder nicht. Haim Shaban, der ehemalige Besitzer der Sat 1 / Pro 7 -Sendergruppe, hat mir einmal das Angebot gemacht, „Manfred Ihr gebt so viel, wenn ihr `mal etwas nehmen wollt, ist meine Tür für Euch immer offen, irgendjemand muss Euch etwas zurück geben.“ Ich habe das als Kompliment, als Anerkennung empfunden. Mehr nicht.
FWZ: Sind Sie sich in Ihren Plänen eigentlich immer einig?
G. Staudinger: Wenn wir immer der gleichen Meinung wären, dann wäre doch einer von uns überflüssig (lacht). Zum Beispiel drängt man mit diesen sozialen Aktivitäten ungewollt natürlich auch in die Öffentlichkeit und ich liebe eher das Understatement. Ich könnte auch auf so zweifelhafte Internetseiten, wie diejenige, über die wir uns hier am Anfang viel zu lange unterhalten haben, verzichten. Nicht wegen mir selbst, aber solche Leute denken nicht eine Sekunde daran, dass auf der anderen Seite auch Familien sind. Mit Vätern, Mütter, Kinder. Einfach verantwortungslos.
M. Staudinger: Ich habe da einen ganz einfachen Grundsatz, der mich begleitet. So schreibt dieser Schweizer Anwalt auf seiner Seite, er hätte mich um eine Stellungnahme angefragt, was natürlich erstunken und erlogen ist. Aber, ich hätte ihm auch keine gegeben, weil ich mir schon vor vielen Jahren geschworen habe, mich in meinem Leben nie mehr auf ein bestimmtes Niveau herab zu lassen, ganz nach dem Motto „Was juckt es die Eiche, wenn sich die Wildsau daran reibt.“
FWZ: Danke für das Gespräch.

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